Angedacht April Mai 2015

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Hier liegt George Johnson, aufgehängt aufgrund eines Fehlers 1882. Er hatte recht, wir hatten unrecht, aber wir haben ihn aufgehängt und jetzt ist er weg… (Privat-Foto)

„Hier liegt George Johnson, aufgehängt aufgrund eines Fehlers 1882. Er hatte recht, wir hatten unrecht, aber wir haben ihn aufgehängt und jetzt ist er weg …“

So lautet der Gedenktext einer US-amerikanischen Säule auf unserem Titelbild. Da haben ein paar Übereilige den Falschen gerichtet. Es erwies sich offenbar bald seine Unschuld und die Täter klagten nun mit dem Aufstellen der Säule sich selbst an. Gleichzeitig setzten sie dem armen gerichteten George Johnson eine Gedenksäule, die etwas ratlos endet: Weg ist er.

Sicher kennen Sie solche Szenen aus Western; da wird der Täter von einem aufgebrachten Mob gefasst, für schuldig befunden und einfach kurzerhand aufgehängt. Selbst ist der Mann, was brauchen wir eine lange Untersuchung, was soll ein aufwändiger Prozess, wir schaffen es schon alleine, das Recht wieder herzustellen. So denken immer noch viele Übereifrige und setzen sich damit zum Richter über andere, ohne der wirklichen Justiz Raum zu geben.

Ein Unschuldiger wird umgebracht, das gab es schon viel früher; das ist der Inhalt des Karfreitages. Nur war das nicht irgendwer, sondern ein ganz Besonderer.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“(Mt 27,54), so bekennt nach dem Matthäusevangelium der römische Hauptmann unter Jesu Kreuz zusammen mit denen „die bei ihm waren“, also anderen römischen Soldaten, die gerade eben noch die Kreuzigung durchgeführt haben.  Aber diese Erkenntnis kommt zu spät. Jesus ist gerade eben am Kreuz gestorben, misshandelt, verurteilt und umgebracht wie ein Schwerverbrecher. Ähnlich wie die Mörder von George Johnson sehen einige Vollstrecker des Urteils an Jesus nun ein, dass ihr Tun ein Fehler war. Gleichzeitig ist ihr Satz ein Glaubensbekenntnis, das erste nach Jesu Tod.

Manche „Fehler“ lassen sich nicht wieder gut machen. Wer einmal tot ist, bleibt auch tot. Oder etwa nicht? Dem erstaunten: „Jetzt ist er weg“ von George Johnsons Säule steht das Staunen der Frauen am Ostermorgen gegenüber: Jesus ist weg, das Grab ist leer! Als Christen vertrauen wir aber darauf, dass Jesus auferstanden ist, dass sein Leben weitergeht. Nein, er ist nicht weg, er ist da, mitten in unserer Welt; in allen helfenden Händen, in allen zusprechenden Worten. Er ist da, um uns Fehler und Schuld zu vergeben. Er ist da, um uns auch über unseren Tod hinaus den Weg ins Leben zu öffnen.  Ihnen allen ein frohes, gesegnetes Osterfest!

Ihre A. Witte, Pfrn.