Angedacht August September 2015

 

 

Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

(Mat 10, 16; Monatsspruch für August)

Was für ein seltsames Jesuswort. Da sollen wir uns zwei Tiere zum Vorbild nehmen; die Schlange wegen ihrer Klugheit, die Taube wegen ihrer Ehrlichkeit. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Ich finde trotz aller Tierliebe beide Tiere nicht sehr sympathisch. Die Schlange gilt als kluges, weises Tier, dem Heilkräfte zugewiesen werden. Die Taube steht symbolisch für den Geist Gottes oder nach der Sintflut für den Neuanfang Gottes mit seiner Schöpfung. Auch als Zeichen des Friedens ist sie positiv besetzt.

Jesus gibt dieses Bildwort seinen Jüngern zur Aussendung mit und fügt gleich noch zwei andere Tierarten hinzu: „Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ Also ist Vorsicht geboten. Die Jünger Jesu haben einen nicht ungefährlichen Auftrag. Zwar sollen sie „nur“ das Reich Gottes ansagen, Menschen heilen und Gutes tun, und dennoch ist ihr Auftrag lebensgefährlich. Jesus weiß, dass sein eigenes Wirken ihn selbst das Leben kosten wird. Zwei scheinbar sich widersprechende Charaktereigenschaften sind für die Jünger und damit auch für uns vorbildlich: Besonnenheit und strategisches Mitdenken gemeinsam mit Offenheit, Direktheit und Aufrichtigkeit. Fehlen die „Schlangeneigenschaften“, so lassen sich Menschen leicht übervorteilen, ausnehmen und betrügen. Fehlen die „Taubeneigenschaften“, so werden Menschen leicht zu berechnenden Egoisten. Die einen werden dann zu Opfern, die anderen zu Tätern.

Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf. (Theodor Fontane)

Es lässt sich auch übersetzen: Seid verständig und einsichtsvoll. Klugheit ist nicht im Sinn von Raffinesse gemeint, die an die eigenen Vorteile denkt. Klug ist, wer Fehler einsieht, wer zu Kompromissen bereit ist und Dinge sachlich und vernünftig beurteilt. „Seid ohne Falsch“, das meint wörtlich: Seid rein, lauter, unverdorben, unvermischt. Wir sollen keinen Anteil haben an Bösem in irgendeiner Form.

„Haltet Maß, seid klar und eindeutig“, ruft Jesus uns damit zu. Weder sollen wir uns über´s Ohr hauen lassen und unbedarft in jede Falle tappen, noch uns verstellen und mit Masken herumlaufen, die uns anders zeigen, als wir sind. Mancher meint ja, Christen wären schon durch ihren Glauben dazu verpflichtet, ausschließlich zu geben und zu vertrauen. Das Jesuswort von den Schlangen und Tauben geht in eine etwas andere Richtung. Weisheit und Liebe sollen die Grundlagen unseres Lebens sein. Vorsicht und, wo nötig, auch Abgrenzung und eine klare Linie sollen auch zu unserem Leben gehören.

Ihnen allen erholsame und fröhliche Sommertage!                Ihre A. Witte, Pfrn