„Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30)

Dieses Wort sagt Jesus im Johannesevangelium, kurz bevor er am Kreuz stirbt. Es ist das letzte von drei Kreuzesworten des jüngsten Evangeliums.

Im Griechischen ist es nur ein einziges Wort: Tetelestai! Es ist erfüllt, es ist vollbracht und damit beendet. Jesus hat die göttlichen Anordnungen ausgeführt. Er hat sie zusammen mit seinem ganzen Leben ans Ziel geführt. Mit diesen Worten legt der sterbende Jesus alles in die Hände seines Vaters, sein Leben, sein Ich, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Jesu Lebenswerk, seine Aufgabe auf dieser Erde, ist erfüllt, nun kann er gehen, zurück zu seinem Vater. Ein Leben muss nicht Jahrzehnte lang sein, damit ein Sterbender diese Worte sprechen kann. Jesu Leben hat kaum länger als drei Jahrzehnte gedauert. Und dennoch sagt er: Jetzt ist alles erfüllt. Dieses Wort ist wie ein Durchatmen, ein Aufatmen…. geschafft. Aber für die Menschen unter dem Kreuz hört es sich nach einem Rätselwort an. Was hat Jesus denn geschafft? Wie ein Verbrecher stirbt er am Kreuz. So mancher hätte eher auf ein Kreuzes-Wort gewartet wie: „Ich bin gescheitert“ oder „alles umsonst“. Das sagt Jesus aber gerade nicht. Er sagt: „Es ist vollbracht“.

Was hat Jesus nun geschafft? Das Wort bezieht sich zunächst darauf, dass Jesus nun sein Leiden durchgestanden und überstanden hat. Nach den quälenden Stunden von seiner Verhaftung an, über seine Geißelung, sein Verspottetwerden bis hin zu seiner Kreuzigung, hat nun sein Leiden ein Ende gefunden. Jesus hat seinen göttlichen Auftrag auf dieser Erde erfüllt. Er hat im Gehorsam gegenüber seinem Vater diesen Leidensweg auf sich genommen.  Aber das Wort hat noch einen weiteren Horizont, der sich erst im Licht der Ostersonne erschließen wird. Jesus hat mit seinem Tod den Tod überwunden. Er hat mit seinem Sterben für uns den Weg ins Leben eröffnet. Was kurzfristig wie ein Scheitern wirkt, ist tatsächlich ein Sieg.

Das kann auch für uns gelten. Manchmal erweisen sich Krankheiten, Trauer oder Lebensbrüche erst nach einiger Zeit aus dem Rückblick als sinnvoll. Da sagt eine Frau, deren Tochter gestorben ist nach vielen Jahre der Trauer: „Mit ihr ist ein Teil von mir gestorben, aber ein anderer Teil in mir ist zum Leben erwacht. Ich kann jetzt… erfüllter als vorher leben.“ (B. Binas: Wenn das Herz blutet, 287)

Jesu Lebensweg in Verbindung mit dem Osterereignis zeigt uns, dass wir nie unsere Hoffnung aufgeben sollen. Selbst, wenn es uns im Moment nicht gelingt, den Sinn hinter unseren Lebensereignissen zu finden, kann und wird Gott die Puzzleteile unseres Lebens zusammensetzen. Nun haben wir zwar eine andere Lebensaufgabe als Jesus, aber sie lässt sich mit Luther unter den Satz stellen: Gott loben, das ist unser Amt. Wie gut, wenn uns das so gelingt, dass wir auch einmal am Ende unseres Lebens sagen können: „Es ist vollbracht“.

Eine gesegnete Passionszeit für Sie!
Herzliche Grüße,
Ihre Pfarrerin Alke Witte