Pinnow

Dorfkirche Pinnow

Eine Kirche ist an dieser Stelle schon im 16. Jahrhundert nachweisbar.

Zeugnis dafür ist, dass der Richter zu Cölln an der Spree, Bertholt Brandenburg, jucundatis 1597 „der lieben Pinnowschen Kirche“ ein Exemplar der „Ausburgischen Konfession“ von 1572 stiftete.

Die jetzige Pinnower Kirche wurde um 1860 neu errichtet. Wie die von Birkenwerder wurde auch sie nach Plänen von Friedrich August Stüler im neoklassizistischen Stil erbaut. Stüler ist ein Nachfolger des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Zu etwa dreihundert Kirchenneu- und -umbauten in Preußen fertigte der am 28. Januar 1800 in Mühlhausen in Thüringen als Pfarrerssohn geborene Friedrich August Stüler Entwürfe an.

1970 wurde in der Dorfkirche zu Pinnow Gottes Wort zuletzt verkündigt. Die Kirche wird geschlossen, da der Zustand des Gebäudes sehr marode ist. Die drohende Sprengung konnte abgewendet werden. Der Gemeindekirchenrat hat seit der Stillegung bis zur Wende immer wieder vergeblich versucht, Baukapazitäten zu bekommen.

Im Januar 1992 wird die Kirche Pinnow in das Verzeichnis der Denkmale aufgenommen. In der Folgezeit bis 1994 wird mit Zuwendungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Bundesmittel), Mitteln des Landes Brandenburg und Baubeihilfen der Ev. Konsistorialkasse die Sanierung des Turmes, die Sicherung des Daches, die Sanierung des Kirchenschiffs, der Bau des Bodes der Empore und die Treppen im Turm in Angriff genommen. Dafür werden rund 300.000 Euro eingesetzt.

Die Kirche ist damit zunächst vor dem Verfall gerettet. Im Inneren des Gebäudes und bei den Fenstern im Kirchenschiff bleibt noch viel zu tun.
Die Kirche wird seit 1997 in den Sommermonaten wieder für Gottesdienste genutzt.

Architektur

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Die Dorfkirche ist ein Saalbau im Rundbogenstil von vier Achsen Länge mit vorgestelltem Turm und vortretender Halbkreis-Apsis.
Der schlichte Bau aus gelben Birkenwerder Ziegeln (mit rötlichen Fugen) wird an den glatt abschließenden, mit stumpfen Eckpfeilern akzentuierten Giebeln mit gestaffelten Blendarkaden, an Langhaus und Apsis mit Lisenen und Rundbogenfries gegliedert. Am Turm, der das mit hölzernem Vordach geschützte Eingangsportal enthält, ist nur das Glockengeschoß mit je einem großen Maßwerkfenster ausgezeichnet. Eine darüberliegende schmale Zone mit Kreismedaillon (ursprünglich Uhr) und Blendarkaden fungiert optisch als eine Art Brüstung, über der sich, von den Turmkanten scharf zum Achteck eingezogen, der gemauerte schlanke Helm erhebt. Die ihn krönende reiche neugotische Kreuzblume aus Terracotta, streng genommen nicht zum Stil des Gebäudes gehörig, jedoch für die Turmsilhouette wichtig, stammt wohl aus dem Formenvorrat der Marchschen Fabrik.
Außer den flachen roten Dachziegeln als Rahmen der Uhrfelder, den schmaleren Kapitellen der Pilaster an den Blendarkaden und den Konsolen der Rundbogenfriese sind alle Schmuckformen in normalen Ziegeln, ohne Formsteine, gemauert.
Der Innenraum, mit Flachdecke und tiefer Orgelempore, enthält außer der breiten achteckigen Kanzel und dem einfachen Tischaltar mit Kreuz noch Ausstattung des Vorgängerbaues, Taufschale von 1608, Grabstein Kaspar von Kitzing.
Autor: Dr. Eva Börsch-Supan
(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin aus dem Werkverzeichnis Friedrich August Stülers entnommen)

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Friedrich August Stüler

Friedrich August Stüler (* 28. Januar 1800 in Mühlhausen, Thüringen; † 18. März 1865 in Berlin) war preußischer Baumeister und einer der maßgebenden Berliner Architekten seiner Zeit. Ausgehend vom Klassizismus Karl Friedrich Schinkels wurde Stüler einer der Hauptvertreter des Historismus um die Jahrhundertmitte.
Nach Studienreisen durch Frankreich und Italien wurde er 1829 Hofbauinspektor in Berlin und 1832 Hofbaurat und Direktor der Schlossbaukommission. 1834-42 lehrte er an der Bauakademie.
Unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. eröffnete sich ihm ein bedeutender Wirkungskreis. Zu seinen architektonischen Entwürfen gehören zahlreiche öffentliche und kirchliche Bauten.
Stüler starb am 18. März 1865 in Berlin. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof.
Weitere Werke:
Entwürfe für den Berliner Dom (1842ff.); Neues Museum in Berlin (1843-46, 1856 eröffnet, im Zweiten Weltkrieg zerstört, Wiederaufbau im Gange); Nationalmuseum in Stockholm (1850-66, Innenausstattung von Wiederaufbau der Burg Hohenzollern (1850-67); Akademie der Wissenschaften in Budapest (1862-64); Pläne für die Nationalgalerie in Berlin (1866-76 von ausgeführt).