Am Sonntag Okuli kein Gottesdienst. Außerdem vorerst keine Veranstaltungen, Kreise und Gruppen in der Kirchengemeinde Borgsdorf-Pinnow

Am Sonntag Okuli kein Gottesdienst. Außerdem vorerst keine Veranstaltungen, Kreise und Gruppen in der Kirchengemeinde Borgsdorf-Pinnow

 

Liebe Gemeindeglieder, liebe Gäste,

 

morgen am Sonntag Okuli findet kein Gottesdienst statt.

Außerdem sagen wir ab sofort bis zum 19. April 2020 alle Veranstaltungen, Kreise und Gruppen in unserer Kirchengemeinde Borgsdorf-Pinnow ab. So bedauerlich das auch ist, müssen wir in der gegenwärtigen Lage Verantwortung übernehmen. Aufgrund der Corona Pandemie nehmen wir besonders Rücksicht auf unsere älteren Mitglieder und weitere Personen, die zur Risikogruppe gehören.

 

Bei seelsorglichen Anliegen, melden Sie sich bitte per Telefon und E-Mail:

Mobil: 0160 – 95278013

Email: ulrike.telschow@gemeinsam.ekbo.de

Bitte leiten Sie diese Bekanntmachung an alle Betreffenden weiter!

 

Wir bitten Sie um Verständnis und Rücksichtnahme. Wir hoffen, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können, dass die Infektionskette des Corona-Virus durchbrochen werden kann.

Bleiben Sie behütet und gesund!

Herzlich Ihre Pfarrerin Ulrike Telschow

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE Borgsdorf-Pinnow

Bahnhofstraße 32

D-16556 Borgsdorf

„Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30)

Dieses Wort sagt Jesus im Johannesevangelium, kurz bevor er am Kreuz stirbt. Es ist das letzte von drei Kreuzesworten des jüngsten Evangeliums.

Im Griechischen ist es nur ein einziges Wort: Tetelestai! Es ist erfüllt, es ist vollbracht und damit beendet. Jesus hat die göttlichen Anordnungen ausgeführt. Er hat sie zusammen mit seinem ganzen Leben ans Ziel geführt. Mit diesen Worten legt der sterbende Jesus alles in die Hände seines Vaters, sein Leben, sein Ich, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Jesu Lebenswerk, seine Aufgabe auf dieser Erde, ist erfüllt, nun kann er gehen, zurück zu seinem Vater. Ein Leben muss nicht Jahrzehnte lang sein, damit ein Sterbender diese Worte sprechen kann. Jesu Leben hat kaum länger als drei Jahrzehnte gedauert. Und dennoch sagt er: Jetzt ist alles erfüllt. Dieses Wort ist wie ein Durchatmen, ein Aufatmen…. geschafft. Aber für die Menschen unter dem Kreuz hört es sich nach einem Rätselwort an. Was hat Jesus denn geschafft? Wie ein Verbrecher stirbt er am Kreuz. So mancher hätte eher auf ein Kreuzes-Wort gewartet wie: „Ich bin gescheitert“ oder „alles umsonst“. Das sagt Jesus aber gerade nicht. Er sagt: „Es ist vollbracht“.

Was hat Jesus nun geschafft? Das Wort bezieht sich zunächst darauf, dass Jesus nun sein Leiden durchgestanden und überstanden hat. Nach den quälenden Stunden von seiner Verhaftung an, über seine Geißelung, sein Verspottetwerden bis hin zu seiner Kreuzigung, hat nun sein Leiden ein Ende gefunden. Jesus hat seinen göttlichen Auftrag auf dieser Erde erfüllt. Er hat im Gehorsam gegenüber seinem Vater diesen Leidensweg auf sich genommen.  Aber das Wort hat noch einen weiteren Horizont, der sich erst im Licht der Ostersonne erschließen wird. Jesus hat mit seinem Tod den Tod überwunden. Er hat mit seinem Sterben für uns den Weg ins Leben eröffnet. Was kurzfristig wie ein Scheitern wirkt, ist tatsächlich ein Sieg.

Das kann auch für uns gelten. Manchmal erweisen sich Krankheiten, Trauer oder Lebensbrüche erst nach einiger Zeit aus dem Rückblick als sinnvoll. Da sagt eine Frau, deren Tochter gestorben ist nach vielen Jahre der Trauer: „Mit ihr ist ein Teil von mir gestorben, aber ein anderer Teil in mir ist zum Leben erwacht. Ich kann jetzt… erfüllter als vorher leben.“ (B. Binas: Wenn das Herz blutet, 287)

Jesu Lebensweg in Verbindung mit dem Osterereignis zeigt uns, dass wir nie unsere Hoffnung aufgeben sollen. Selbst, wenn es uns im Moment nicht gelingt, den Sinn hinter unseren Lebensereignissen zu finden, kann und wird Gott die Puzzleteile unseres Lebens zusammensetzen. Nun haben wir zwar eine andere Lebensaufgabe als Jesus, aber sie lässt sich mit Luther unter den Satz stellen: Gott loben, das ist unser Amt. Wie gut, wenn uns das so gelingt, dass wir auch einmal am Ende unseres Lebens sagen können: „Es ist vollbracht“.

Eine gesegnete Passionszeit für Sie!
Herzliche Grüße,
Ihre Pfarrerin Alke Witte

Angedacht August September 2015

 

 

Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

(Mat 10, 16; Monatsspruch für August)

Was für ein seltsames Jesuswort. Da sollen wir uns zwei Tiere zum Vorbild nehmen; die Schlange wegen ihrer Klugheit, die Taube wegen ihrer Ehrlichkeit. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Ich finde trotz aller Tierliebe beide Tiere nicht sehr sympathisch. Die Schlange gilt als kluges, weises Tier, dem Heilkräfte zugewiesen werden. Die Taube steht symbolisch für den Geist Gottes oder nach der Sintflut für den Neuanfang Gottes mit seiner Schöpfung. Auch als Zeichen des Friedens ist sie positiv besetzt.

Jesus gibt dieses Bildwort seinen Jüngern zur Aussendung mit und fügt gleich noch zwei andere Tierarten hinzu: „Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ Also ist Vorsicht geboten. Die Jünger Jesu haben einen nicht ungefährlichen Auftrag. Zwar sollen sie „nur“ das Reich Gottes ansagen, Menschen heilen und Gutes tun, und dennoch ist ihr Auftrag lebensgefährlich. Jesus weiß, dass sein eigenes Wirken ihn selbst das Leben kosten wird. Zwei scheinbar sich widersprechende Charaktereigenschaften sind für die Jünger und damit auch für uns vorbildlich: Besonnenheit und strategisches Mitdenken gemeinsam mit Offenheit, Direktheit und Aufrichtigkeit. Fehlen die „Schlangeneigenschaften“, so lassen sich Menschen leicht übervorteilen, ausnehmen und betrügen. Fehlen die „Taubeneigenschaften“, so werden Menschen leicht zu berechnenden Egoisten. Die einen werden dann zu Opfern, die anderen zu Tätern.

Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf. (Theodor Fontane)

Es lässt sich auch übersetzen: Seid verständig und einsichtsvoll. Klugheit ist nicht im Sinn von Raffinesse gemeint, die an die eigenen Vorteile denkt. Klug ist, wer Fehler einsieht, wer zu Kompromissen bereit ist und Dinge sachlich und vernünftig beurteilt. „Seid ohne Falsch“, das meint wörtlich: Seid rein, lauter, unverdorben, unvermischt. Wir sollen keinen Anteil haben an Bösem in irgendeiner Form.

„Haltet Maß, seid klar und eindeutig“, ruft Jesus uns damit zu. Weder sollen wir uns über´s Ohr hauen lassen und unbedarft in jede Falle tappen, noch uns verstellen und mit Masken herumlaufen, die uns anders zeigen, als wir sind. Mancher meint ja, Christen wären schon durch ihren Glauben dazu verpflichtet, ausschließlich zu geben und zu vertrauen. Das Jesuswort von den Schlangen und Tauben geht in eine etwas andere Richtung. Weisheit und Liebe sollen die Grundlagen unseres Lebens sein. Vorsicht und, wo nötig, auch Abgrenzung und eine klare Linie sollen auch zu unserem Leben gehören.

Ihnen allen erholsame und fröhliche Sommertage!                Ihre A. Witte, Pfrn

Angedacht April Mai 2015

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Hier liegt George Johnson, aufgehängt aufgrund eines Fehlers 1882. Er hatte recht, wir hatten unrecht, aber wir haben ihn aufgehängt und jetzt ist er weg… (Privat-Foto)

„Hier liegt George Johnson, aufgehängt aufgrund eines Fehlers 1882. Er hatte recht, wir hatten unrecht, aber wir haben ihn aufgehängt und jetzt ist er weg …“

So lautet der Gedenktext einer US-amerikanischen Säule auf unserem Titelbild. Da haben ein paar Übereilige den Falschen gerichtet. Es erwies sich offenbar bald seine Unschuld und die Täter klagten nun mit dem Aufstellen der Säule sich selbst an. Gleichzeitig setzten sie dem armen gerichteten George Johnson eine Gedenksäule, die etwas ratlos endet: Weg ist er.

Sicher kennen Sie solche Szenen aus Western; da wird der Täter von einem aufgebrachten Mob gefasst, für schuldig befunden und einfach kurzerhand aufgehängt. Selbst ist der Mann, was brauchen wir eine lange Untersuchung, was soll ein aufwändiger Prozess, wir schaffen es schon alleine, das Recht wieder herzustellen. So denken immer noch viele Übereifrige und setzen sich damit zum Richter über andere, ohne der wirklichen Justiz Raum zu geben.

Ein Unschuldiger wird umgebracht, das gab es schon viel früher; das ist der Inhalt des Karfreitages. Nur war das nicht irgendwer, sondern ein ganz Besonderer.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“(Mt 27,54), so bekennt nach dem Matthäusevangelium der römische Hauptmann unter Jesu Kreuz zusammen mit denen „die bei ihm waren“, also anderen römischen Soldaten, die gerade eben noch die Kreuzigung durchgeführt haben.  Aber diese Erkenntnis kommt zu spät. Jesus ist gerade eben am Kreuz gestorben, misshandelt, verurteilt und umgebracht wie ein Schwerverbrecher. Ähnlich wie die Mörder von George Johnson sehen einige Vollstrecker des Urteils an Jesus nun ein, dass ihr Tun ein Fehler war. Gleichzeitig ist ihr Satz ein Glaubensbekenntnis, das erste nach Jesu Tod.

Manche „Fehler“ lassen sich nicht wieder gut machen. Wer einmal tot ist, bleibt auch tot. Oder etwa nicht? Dem erstaunten: „Jetzt ist er weg“ von George Johnsons Säule steht das Staunen der Frauen am Ostermorgen gegenüber: Jesus ist weg, das Grab ist leer! Als Christen vertrauen wir aber darauf, dass Jesus auferstanden ist, dass sein Leben weitergeht. Nein, er ist nicht weg, er ist da, mitten in unserer Welt; in allen helfenden Händen, in allen zusprechenden Worten. Er ist da, um uns Fehler und Schuld zu vergeben. Er ist da, um uns auch über unseren Tod hinaus den Weg ins Leben zu öffnen.  Ihnen allen ein frohes, gesegnetes Osterfest!

Ihre A. Witte, Pfrn.